15. Woche - Von der Landwirtschaft Adam und Eva hatten es einfach. Sie
lebten im Paradies. Hatten Sie Hunger, mussten sie nur an die nächsten Früchte tragenden
Bäume gehen, sich eine Banane, eine Nuss oder gar einen Apfel pflücken und schon hatten
sie zu essen. Der Wunsch, einfach von der Natur ernährt zu werden, war auch die Grundlage
für das Märchen vom Leben wie im Schlaraffenland. Noch heute streifen in den Urwäldern
Afrikas, Südamerikas und Ostasiens einzelne Stämme als Jäger und Sammler durch den
Dschungel.
Die Sammler und
Jäger ernährten sich von dem was sie fanden und jagten. Den weitaus größten Teil der
Menschheitsgeschichte ernährten sich die Menschen auf diese Weise. Irgendwann
einmal fielen den Jägern auch junge Kälber von Wildrindern, Zicklein von wilden Ziegen
oder Lämmer von Wildschafen in die Hände. Sie nahmen die Tiere als lebende Speisekammer
mit in ihr Dorf. Dort wurde diese an Stämme gebunden. Wurde das Futter rund um die
Stämme knapp, band man die Tiere einige Meter weiter an die nächsten Bäume..
Diese Aufgabe
übernahmen die Kinder. Die jungen Tiere akzeptierten die Kinder als ihre Eltern. Sie
wurden zahm. Als dann die Jäger eines der Tiere schlachten wollten, protestierten die
Kinder und die Frauen. So mussten sich die Jäger auf die Jagd begeben, um frisches
Fleisch herbeizuschaffen. Inzwischen waren die zahmen Tiere erwachsen geworden. Sie
paarten sich und setzten eigene Junge. Aus wenigen Tieren wurde eine kleine Herde. Frauen
und Kinder hüteten die Herde. Sie waren die ersten Hirten.
Wenn ein Rind sein
erstes Kalb setzt, beginnt es, in seinem Euter Milch zu produzieren. Auch hier waren
es sicherlich die Kinder, die einmal von der Milch der Kuh probieren wollten. So
entdeckten die Menschen ganz zufällig, dass die Milch von Kühen, Ziegen und Lämmern
ganz hervorragend als Nahrung für Menschen geeignet ist. Aus Jägern und Sammlern
wurden Hirten. Noch heute gibt es in Asien und Afrika Hirtenvölker, die fast
ausschließlich von der Milch und dem Fleisch ihrer Tiere leben.
Hirtenvölker sind
nicht sesshaft. Sie folgen mit ihren Herden der Nahrung. Sie schlagen ihre Zelte immer
dort auf, wo das beste Gras sprießt. Fand ein Stamm einmal besonders gute
Weidegründe, entschlossen sich die Stammesältesten, hier so lange wie möglich zu
bleiben. Sie errichteten eine festere Siedlung. Ihre Herden weideten unter der Aufsicht
der Hirten rund um die Siedlung.
Nebenbei sammelten
die Menschen für ihre Ernährung auch noch Früchte und Samen. Natürlich sammelten sie
bevorzugt die besten Früchte. Sie bewahrten sie in Körben, Säckchen und Tongefäßen
auf. Dabei kann folgende Geschichte passiert sein: Eines der Kinder verschüttete
einmal ein Säckchen mit ausgewählt großen Grassamen. Während es die Samen auflas, kam
die Mutter aus der Hütte. Schnell packte das Kind das Säckchen in sein Gewand und deckte
Erde über die verschütteten Samenkörner.
16. Woche - Getreide
Der kleine Vorfall
geriet in Vergessenheit. Als die kleinen Samenkörner wenige Wochen später keimten und
kräftige Halme aus der Erde wuchsen, beichtete das Kind seiner Mutter den Vorfall von
damals. Nachdenklich schaute sich die Mutter die prächtigen Halme an, die ihrerseits
wieder besonders große Samen trugen. Sie wartete bis die Samen reif waren, streifte sie
von den Halmen und säte sie auf ein kleines Stück Land, das sie besonders sorgfältig
für die Saat vorbereitete.
Schon im Herbst
sprossen zahlreiche grüne Spitzen aus dem Boden. Zum Schutz gegen die hungrigen Ziegen
und Kühe musste das kleine Feld eingezäunt werden. Im Frühjahr staunten die
Dorfbewohner nicht schlecht. Noch nie hatten sie so viele kräftige Samen tragende Halme
auf einem Platz gesehen. Neugierig befragten sie die Besitzerin des kleinen Feldes nach
den Hintergründen. Als dann im Sommer die Gräser wieder Samen trugen, machten sich alle
Dorfbewohner auf den Weg, um Samen für die Saat rund um ihre Hütten zu suchen.
Die kleinen Äcker
rund um die Hütten machten die Menschen sesshaft. Aus umherziehenden Hirten wurden
Bauern. Sie lernten, das Land für die Saat vorzubereiten, das Land zu düngen, die
Früchte zu schützen, zu ernten und aufzubewahren. Erfunden wurde der Ackerbau entlang
der drei großen Flüsse, die wir aus der Bibel kennen: Am Nil im heutigen Ägypten, an
Euphrat und Tigris im heutigen Syrien und Irak.
Von dort
verbreitete sich die Kunst des Ackerbaus nach Westen. So lernten auch die Menschen in
Mitteleuropa die Vorteile des Ackerbaus schätzen. Wer Ackerbau betreibt, muss nicht mehr
ständig auf der Suche nach Nahrung hin- und herziehen. Wer Ackerbau betreibt, kann sich
schöne und sichere Hütten und Häuser bauen. Wer Ackerbau betreibt und die Erntefrüchte
als Vorräte verwahrt, schützt sich vor Hungersnot. Denkt nur an die biblische
Geschichte, an die Träume des Pharao und an Josef, der die Träume richtig deutete und in
den sieben fetten Jahren die Vorräte für die sieben mageren Jahre anlegen ließ.
Ein großer
Fortschritt im Ackerbau war es, als die hölzernen Pflüge durch eiserne Pflüge ersetzt
wurden. In Mitteleuropa gab es besonders viel Eisen und Wald. Hier gruben die Kelten nach
Eisen, schmolzen es und schmiedeten daraus Pflüge. Mit keltischen Pflügen wurden riesige
Flächen für den Ackerbau erschlossen. Der Ackerbau machte es möglich, dass die Menschen
verschiedenen Arbeiten nachgehen konnten. Während die einen das Land bebauten, gruben
andere das Eisenerz aus der Erde aus dem wiederum andere Schaufeln, Hacken, Äxte und
Pflüge schmiedeten.
So entwickelte sich
ein reger Tauschhandel: Nahrungsmittel gegen Eisenerz, Eisenerz gegen Eisenwaren. Weil
aber Bauern, Bergleute und Schmiede bei ihrer Arbeit bleiben wollten, übernahmen andere
die Abwicklung des Tauschhandels. Der Beruf des Händlers entstand. Seit die Menschen ihre
Äcker mit leistungsfähigen Pflügen bearbeiteten, wuchsen die Erträge. Es gab mehr
Nahrung als je zuvor. Deshalb gab es auch mehr Menschen als je zuvor. Sie rodeten die
Wälder und legten dort Felder an. Heute wird in Deutschland etwa die Hälfte der
Landesfläche landwirtschaftlich genutzt.
17. Woche - Getreide
Der Titel des alten
Liedes ist auch heute noch aktuell. Im Märzen, heute sagen wir März, spannt der Bauer
seine Rösslein ein. Eine Änderung hat sich jedoch ergeben. An Stelle ( man darf
auch anstelle schreiben ) seiner Rösser spannt er einen Traktor mit vielen Pferdestärken
(PS) vor seinen Pflug. Früher nannte man den Traktor hie und da auch Bulldog.
So ganz stimmt auch das Wort Traktor nicht mehr, weil moderne Traktoren
inzwischen vielseitig ausbaubare Zug- und Arbeitsmaschinen sind.
Heute wollen wir
den Bauern einmal bei der Feldarbeit begleiten. Halt ! Wir haben da einen Fehler gemacht.
Moderne Bauern werden als Landwirte bezeichnet. Viele von ihnen sind sogar
Agrar-Ingenieure. Wir nehmen auf dem Notzsitz in der klimatisierten Kabine des Traktors
Platz. Derweil koppelt der Landwirt die Sämaschine an den Traktor. In die Sämaschine
füllt er die Saatkörner. Hinter den Töpfen für die Saatkörner sind die Töpfe für
den Dünger befestigt.
Sanft brummend fahren wir in die Feldgemarkung.
Am Feld angekommen richtet der Landwirt den Traktor aus. Er senkt die Sämaschine ab und
richtet sie für die Aussaat ein. Das Feld selbst hat er schon vor dem Winter gepflügt
und vor wenigen Tagen mit Grubber (grubbern) und Egge (eggen) für die Saat vorbereitet.
Brummend setzt sich der Traktor in Bewegung. In einer Fahrt sät er etwa 20 Saatreihen.
Jedes Korn wird einzeln und in genau bestimmtem Abstand in den Boden gesetzt.
Zu jedem Korn
bringt die Sämaschine auch ein Körnchen Dünger in den Boden. So gehen weder Körner
noch Dünger verloren. Am Ende der Saatmaschine ist eine Walze befestigt. Sie
verdichtet den Boden über den Saatkörnern. So gelangen die Würzelchen des keimenden
Korns sofort an Nahrung und Feuchtigkeit. Nach knapp zwei Wochen sieht man das ganze Feld
grün schimmern. Die ersten Getreideblättchen drängen fast gleichzeitig aus dem Boden.
Die kleinen
Pflänzchen eilen sich mit dem Aufwuchs. Sie müssen die warme Jahreszeit nutzen, um
Ähren und Körner zu schieben. Im Juni werden die Körner milchreif, im Juli trocknen sie
unter der heißen Sonne. Dann hört man das Getreide richtig knistern. Ab Mitte Juli
werden die ersten Getreideschläge gedroschen. Mitte August muss die Getreideernte beendet
sein, weil dann die Tage kürzer und kühler werden.
Getreide ist aus
besonderen Gräsern gezüchtet worden. Wir unterscheiden heute Wintergetreide und
Sommergetreide. Die beiden Begriffe sind verwirrend. So können wir sie uns aber leicht
merken: Wintergetreide steht schon im Winter auf dem Feld. Es wird im Spätsommer des
Vorjahres ausgesät. Sommergetreide steht nur im Sommer auf dem Feld. Es wird kurz vor
Sommer ausgesät.
In Deutschland
werden vor allem Weizen, Roggen und Gerste angebaut. Weizen mahlt man zu feinem Mehl für
Kuchen, Brötchen, Weißbrot und andere Leckereien. Roggen ( Korn) wird vor allem für die
Brotbäckerei verwendet, Gerste als Futter, zur Herstellung von Graupen und für die
Bierbrauerei. Inzwischen findet man aber auch viele andere Getreidesorten auf den Feldern:
Alte Getreidesorten wie Emmer und Dinkel und Neuzüchtungen wie Triticale.
Das Getreide wird
geerntet, wenn es reif und trocken ist. Früher schnitt der Bauer das Getreide mit Sichel
oder Sense. Die Halme wurden zu Garben gebunden, die auf dem Feld zum Trocknen aufgestellt
wurden. Wenn Halme und Ähren trocken waren, fuhr man die Garben in die Scheune. Auf dem
Dreschboden, der Tenne, wurden die Garben mit dem Dreschflegel bis auf das letzte Korn
gedroschen. Mit einem Sieb wurde die Spreu vom Weizen getrennt.
Es war eine große
Erleichterung, als die erste Dreschmaschine erfunden war. Die Garben wurden in einen
großen Trichter hineingestopft und in der Dreschmaschine so lange gerüttelt und
geschüttelt, bis auch das letzte Korn im Sack gelandet war. Die Spreu wurde einfach
hinten aus der Dreschmaschine geblasen. Heute erledigt der Bauer das Ernten und das
Dreschen in einem Arbeitsgang.
Mit dem breiten
Mähwerk des Mähdreschers schneidet er die Ähren kurz über dem Boden ab. Die Ähren
werden in das Dreschwerk gezogen und dort gedroschen. Die Körner wandern in einen großen
Behälter, Stroh und Spreu werden auf das Feld geblasen. Das Stroh wird später zu Ballen
gewickelt und gepresst. Spreu und die Stoppeln werden in den Boden eingearbeitet.
Noch auf dem Feld
wird das geerntete Getreide auf große Hänger geladen und zur genossenschaftlichen
Sammelstelle transportiert. Dort werden die Körner in große Silos geblasen oder gesaugt.
Dabei wird das Getreide gleich noch einmal gereinigt. Mit Luft geht das ganz einfach: Die
schwereren Körner fallen ins Silo, während die leichte Spreu einfach in ein anderes Silo
geblasen wird.
* Erfinder dieser
Genossenschaften war Friedrich
Wilhelm Raiffeisen. Nach ihm sind noch heute
Genossenschaften und Banken benannt.
Im Labor der
Genossenschaft werden dann noch Qualtät und Feuchtigkeitsgehalt des Getreides geprüft.
Feuchte Körner wiegen mehr als trockene Körner. Sollten die Körner wegen der in ihnen
enthaltenen Feuchtigkeit zu schwer sein, erhält der Bauer entsprechend weniger Geld.
Zusätzlich werden ihm noch die Kosten für die nachträgliche Trocknung in der
Trocknungsanlage berechnet.
Bis zum Verkauf
lagert das Getreide getrennt nach Sorten in großen Speichern. Nach und nach wird das
Getreide an die großen Mühlen verkauft. Dort wird aus den Körnern Mehl für Brot,
Brötchen, Kuchen und Nudeln gemahlen. Aus Körnern bester Qualität wird Vollkornmehl
hergestellt. Andere Körner werden zu Haferflocken oder Müsliflocken gequetscht. Wenn wir
im Geschäft eine Flasche Schnaps sehen, erinneren wir uns daran, dass aus Körnern auch
Korn gebrannt wird.
18. Woche - Mais,
Kartoffeln, Nudeln und Reis
Getreide ist ein
besonders wichtiger Baustein für unsere Ernährung. In der vergangenen Woche
haben wir gelernt und geschrieben, welche Getreidesorten es gibt und wozu sie verwendet
werden. Getreide wird in Europa schon einige Tausend Jahre angebaut, gemahlen, gebacken
und gegessen. Recht neu in Deutschland ist eine Getreideart, die unseren herkömmlichen
Sorten eigentlich gar nicht ähnelt. Es ist der Mais. Seine Heimat ist das tropische
Amerika, also die tropischen Zonen von Mittel- und Südamerika.
Kluge Leute
kombinieren jetzt ganz schnell, dass der Mais wegen seiner amerikanischen Herkunft
höchstens 500 Jahre in Europa bekannt ist. Weil der importierte (eingeführte) Mais lange
Zeit nur in den südeuropäischen Ländern angebaut werden konnte, kennen wir ihn hier
auch noch als 'türkischen Weizen' , Welschkorn oder Kukuruz. Im letzten Jahrhundert sind
aber auch Sorten gezüchtet worden, die in unseren kühleren Breiten gedeihen. Mais wird
auf vielerlei Weise genutzt.
Die grüne Pflanze
mit den nicht gereiften Kolben und Körnern wird im Herbst gehächselt und zu
Viehfutter siliert. Der gehächselte Mais siliert unter Abschluss von Luft im Silo zur
Maissilage. Dort, wo es warm genug ist, dass die Maiskörner reifen können, wird der Mais
gedroschen. Die Maiskörner werden als Tierfutter verwendet. Man mahlt aber auch Maismehl
aus den Körnern oder lässt sie in der Pfanne zu Popcorn aufspringen. Wenn die Maiskolben
und die Körner noch klein und zart sind, werden sie gerne als Salat oder Gemüse
gegessen.
Ebenfalls über den
Atlantik ist die Kartoffel zu uns gekommen. Biologisch gesehen ist sie ein
Nachtschattengewächs. Verwunderlich ist, dass ihre unterirdischen Knollen essbar sind,
während die oberirdischen Beeren giftig sind. Die Kartoffel wurde zur besten Verbündeten
der Menschen im Kampf gegen Hunger und Not. Aus Kartoffeln kann man die leckersten Sachen
machen: Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, Bratkartoffeln, Chips und Pommes frites. Selbst
Schnaps kann man aus der stärkehaltigen Knolle brennen.
Nudeln werden aus
Getreidemehl hergestellt. Bevorzugt verwendet man Weizenmehl, man kann aber auch Mehl
anderer Getreidesorten oder auch Vollkornmehl verwenden. Abgesehen von Spagetti ( ja, die
schreibt man heute ohne h ) und Makkaroni hatte ich als Kind besondere Freude an
Buchstabennudeln. Ich bat meine Großmutter immer wenn es Nudelsuppe gab, mir eine Hand
voll Buchstabennudeln zu geben, weil ich damit alle denkbaren Wörter schreiben konnte.
Nudeln gibt es in den interessantesten Formen. Man kann sie sogar passend zur Jahreszeit
kaufen. Osterhasennudeln zu Ostern, Weihnachtssternchen und kleine Nudel-Nikoläuse
in der Winterzeit.
Reis gehört heute
in jeden Vorratsschrank. Für den Reisanbau ist es in Deutschland zu kalt. Reis wird
angebaut, wo es ausreichend Wärme und dazu auch jede Menge Wasser gibt. Das ist vor allem
in Südostasien der Fall. Deshalb sind China, Indien, Japan, Vietnam und Indonesien keine
Kartoffelländer sondern Reisländer. In mühsamer Handarbeit errichten die Menschen dort
kleine Dämme um ihre Felder herum. Dann fluten sie die Felder. Reis wächst nämlich im
Wasser.
Besondere Meister
im Reisanbau sind die Chinesen. Sie bauen riesige Reisterrassen in die Hänge der Berge.
Eine Reisterrasse über die andere. Die Chinesen sind nämlich darauf angewiesen,
jeden Fleck ihres Landes für den Reisanbau zu nutzen, um die 1,2 Milliarden Chinesen satt
zu kriegen. Seit es chinesische Restaurants in Deutschland gibt, wissen wir, welche
leckere Gerichte zusammen mit Reis gekocht werden können. Wir können es aber auch einmal
mit Risotto versuchen. Das ist ein italienisches Reisgericht. Besonders kostbar ist
wilder Reis. Seine Körner galten schon bei den Indianern in Amerika als Delikatesse.
Vor einiger Zeit
zeigte das Fernsehen einen Bericht über eine Hirtenfamilie in der Sahara. Die
Hirtenfamilie lebte in einem Zelt, das vor der sengenden Sonne und der nächtlichen Kälte
der Wüste Schutz bot. Diese Familie lebte einzig und allein von einigen wenigen Ziegen
und Kamelen, die die karge Landschaft ernährte. Sie lebten fast ausschließlich von der
Milch ihrer Ziegen und Kamele. Fleisch gab es nur selten. Andere Lebensmittel fast nie.
Wer jetzt denkt,
diese Hirten litten bittere Not, täuscht sich gewaltig. Im Gegenteil. Nur selten konnte
man edlere, athletischere und gesündere Menschen sehen als in diesem Film. Sie waren
groß gewachsen, bestens genährt und ihre weißen Zähne blitzten, wenn sie fröhlich
lachten. Ein Zahnarzt könnte an ihnen nichts verdienen. Besser war kaum zu demonstrieren,
wie wertvoll Milch als Nahrungsmittel ist.
Milch enthält fast
alles, was ein Mensch zum Leben braucht. Angefangen vom lebenswichtigen Eiweiß bis
hin zu den Mineralstoffen, die wir für den Aufbau unseres Skeletts und der Zähne
brauchen. Bester Beleg dafür ist die Muttermilch. Babies, die mit Muttermilch ernährt
werden, brauchen lange Zeit keine zusätzliche Nahrung. Sie sind gesünder als anders
ernährte Babies, bleiben meist ihr Leben lang schlank, haben festere Zähne und sind
besonders gut gegen Krankheiten gefeit.
19. Woche - Milch, Butter und Käse
Milch ist nicht so
einfach austauschbar. Man kann Babies nicht einfach mit Kuhmilch ernähren oder Hunde mit
Katzenmilch. Jedes kleine Säugetier - auch der kleine Mensch - gedeiht am
besten mit der artspezifischen Milch, also mit der Milch der eigenen Art. Mit zunehmendem
Alter wird die Milch anderer Säuger besser vertragen. Wenn künstliche Baby-Milch aus
Kuhmilch hergestellt wird, achtet man deshalb auch sehr genau darauf, diese möglichst
genau in ihrer Zusammensetzung der Muttermilch nachzuahmen.
Weil das früher
technisch noch nicht möglich war, hat man Kinder oft von Ammen stillen lassen. Ihr kennt
sicherlich das Wort Hebamme. Eine Amme war eine Frau, die selbst ein kleines Kind hatte,
aber mehr Milch produzierte, als ihr eigenes Kind trinken konnte. Solchen Ammen
verdankten früher viele Kinder ihr Leben, wenn ihre leiblichen Mütter - aus welchen
Gründen auch immer - sie nicht ausreichend mit Milch versorgen konnten.
Im Laufe der
Jahrtausende haben die Menschen erkannt, welch wertvolles Nahrungsmittel Milch ist. Weil
die Milch ihrer eigenen Art nicht ausreicht, den Bedarf zu"stillen", nutzen wir
vor allem die Milch von Kühen für unsere Ernährung. Kühe geben viel Milch. Ihre Milch
kommt der Milch der Menschen recht nahe. Sie ist deshalb besonders verträglich. Wie sie
gewonnen und verarbeitet wird und was alles daraus hergestellt wird, sehen wir in
den Diktaten der nächsten Woche.
Wahrscheinlich ist
die Herstellung von Butter zufällig erfunden worden. Wenn man frisch gemolkene Milch
lange genug in einem Gefäß stehen lässt, sammeln sich die winzigen in der Milch
enthaltenen Fettkügelchen an der Oberfläche. Ihr kennt ja den Ausdruck: Fett schwimmt
oben. Dieser Ausdruck trifft auch hier zu. Für die Butterherstellung wird diese
Fettschicht abgeschöpft. So entsteht aus fetthaltiger Vollmilch fettarme
Magermilch.
Das abgeschöpfte
Fett der Milch wird in einer Zentrifuge durch Schleudern von der restlichen anhaftenden
Milch getrennt. Der gewonnene Rahm wird in einem Gefäß gesammelt. Um ein Kilogramm
Butter herzustellen, braucht man etwa 25 Liter Kuhmilch. Hat man schließlich
genug abgeschöpften Rahm zusammen, kann man daraus in einem Butterfass Butter
schlagen.
Die gewonnene
Buttermasse wird geknetet und geformt. Zur Geschmacksverbesserung kann man ihr Salz,
Gewürze und Kräuter beimischen. Meine Großmutter füllte die frisch geschlagene Butter
noch in kleine Töpfe aus Steingut ab. Um sie möglichst lange frisch zu halten, wurden
die Buttertöpfchen im Keller oder im kühlen Wasserbad aufbewahrt. Kühlschränke kannte
man zu ihrer Zeit noch nicht.
Heute wird Butter
fast ausschließlich in großen Molkereien hergestellt. Sie wird auch nur ausnahmsweise
noch in dekorativen Töpfchen angeboten. Meist wird Butter in Pergamentpapier oder in
Folie verpackt. Ein Butterpäckchen wiegt in aller Regel 250 Gramm, das ist ein halbes
Pfund oder ein Viertelkilogramm. Für Gaststätten und Hotels werden kleinere
Butterpäckchen konfektioniert (= abgewogen und verpackt).
Ein anderes
Milchprodukt ist Käse. Käse hat einen hohen Nährwert und ist meist gut
verdaulich. Je nach Sorte wird Käse aus Vollmilch, Rahm, Magermilch oder
Buttermilch hergestellt. Dabei werden diese Ausgangsstoffe durch Zusatz von Fermenten
(Lab) und Milchsäuerebakterien zum Gerinnen gebracht. Die geronnene Masse nennt man
Bruch. Dieser Bruch besteht aus Eiweiß (Casein), Fett, Kohlenhydraten, Salzen und
Vitaminen. Die verbleibende Flüssigkeit, die Molke, wird abgegossen und unter anderem
Viehfütterung verwendet.
Der feste Bruch
wird in Formen gefüllt. Dort reift er unter der Einwirkung verschiedener Bakterien. Nach
erfolgter Reifung kann der Käse verkauft werden. Je nach verbliebenem Wassergehalt
unterscheiden wir Hartkäse oder Weichkäse. Käse gibt es in unzähligen Varianten. Die
bekanntesten Käseländer sind Frankreich mit seinem Camembert, die Schweiz mit dem
löchrigen Schweizer Käse und die Niederlande mit dem schmackhaften Holländer Käse.
20. Woche - Obst und Gemüse
Erstmals wurde Obst
im Alten Testament erwähnt. In der Schöpfungsgeschichte pflückte Eva ihrem Adam trotz
ausdrücklichen Verbotes einen Apfel vom Baume der Erkenntnis. Die Folgen waren gravierend
(schwer wiegend). Beide wurden aus dem Paradies verwiesen und mussten fortan selbst für
ihren Lebensunterhalt sorgen. Solange die Menschen nur die tropischen Regionen
besiedelten, war dies recht einfach. Die Natur bot ihnen neben allerlei kleinem und
großem Getier auch eine Vielzahl essbarer Pflanzen und Früchte.
Schwieriger wurde
es da schon, als die Menschen weiter nach Norden zogen und dort siedelten. Zum einen gab
es hier nur eine weniger reichhaltige Pflanzenwelt, zum anderen ist im Norden die
Zeit, in der Pflanzen und Früchte wachsen und reifen können auch viel kürzer.
Während in Afrika Bäume und Sträucher über das ganze Jahr Früchte
tragen, steht im Norden dafür nur ein kurzer Sommer zur Verfügung. Deshalb
war die Ernährung in den nördlichen Ländern bis hinein in das letzte Jahrhundert vor
allem im Winter sehr einseitig und wenig abwechslungsreich.
Ich wurde in der
armen Zeit direkt nach dem zweiten Weltkrieg geboren. Kopfsalat und Endiviensalat
gab es nur über wenige Wochen im Sommer, Feldsalat stachen Vater und Großvater an Weg-
und Feldrändern. Weil auch die anderen Gartenfrüchte frisch nur für die kurze
Zeit der Reife verfügbar waren, kochte man Erbsen und Bohnen in Gläsern und Dosen für
den Winter ein. Gurken wurden in Essig eingelegt. Weißkraut wurde zu feinen Streifchen
gehobelt und zusammen mit konservierendem Salz in Steinguttöpfen zu Sauerkraut gestampft.
Weißkohl und
Rotkohl wurden aber auch als ganze Köpfe im dunklen und kühlen Keller aufgewahrt. Dort
lagerten sie neben den eingewinterten Kartoffeln. Auch die Sommermöhren wurden
eingewintert. Sie kamen in eine flache Kiste und wurden dort mit Sand überdeckt, um zu
verhindern, dass sie austrockneten. Weil vielfach die vorhandenen Keller für die Lagerung
der Wintervorräte nicht ausreichten, bauten die Menschen noch zusätzlich Keller
außerhalb ihrer Häuser. Insbesondere die Bauern, die ihre Produkte auf dem Markt
verkaufen wollten, brauchten solche zusätzlichen Lagerkeller.
Zum Frühjahr
wurden die Nahrungsmittel knapp. Dazu wurde ihre Qualität immer schlechter. Die
Kartoffeln begannen zu keimen, die Äpfel schrumpelten und faulten. Das war die Zeit, in
der das eingekochte Gemüse und Obst auf den Tisch kam. Mancherorts spricht man auch von
eingewecktem Obst. Hier handelte es sich nicht um Obst, das den Winter verschlafen hatte,
sondern um Obst, das in den besonders praktischen Einkochgläsern der Firma Weck
eingeweckt war.
Heute müssen wir uns keine Sorgen mehr um die
Wintervorräte machen. Obst und Gemüse gibt es in jedem Supermarkt. Und nicht nur Obst
aus deutschem Anbau. Wer aufmerksam an den Obst- und Gemüseregalen der Supermärkte
entlang geht, kann eine richtige Weltreise machen. Da gibt es frische Kartoffeln aus
Ägypten, Kiwi aus Neuseeland, Spargel aus Griechenland, Kräuter aus Frankreich,
Apfelsinen aus Israel, Äpfel und Birnen aus Holland, Bananen aus Südamerika und Chili
aus Mexiko.
Möglich geworden
ist dies durch das weltweite moderne Verkehrsnetz. Während wir zu Bett gehen, rollen
zahllose Trucks zu den Großmärkten unserer Städte. Mitten in der Nacht landen
Großraumjets mit Bananen aus Amerika, Erdbeeren aus Südafrika auf unseren
Flughäfen. Stunden später wird die Ware in den Großmärkten angeboten. Schon im
ersten Morgengrauen hat unser "Türke" dort sein frisches Obst und Gemüse
eingekauft, um es rechtzeitig zur täglichen Einkaufszeit in seinem Laden anbieten zu
können.
Möglich geworden
ist dies aber auch durch die moderne Kühl- und Lagertechnik. Wer die riesigen
Apfelplantagen in Holland oder Dänemark gesehen hat, kann sich vorstellen, dass diese
Äpfel nicht alle im Sommer verzehrt werden können. Sie müssen eingelagert werden. Damit
sie aber auch im Frühjahr noch frisch sind, werden sie kühl und unter Luftabschluss
gelagert. Vielfach geht man noch einen Schritt weiter und lagert die Früchte in Räumen,
die mit Stickstoff gefüllt sind. So kann man zuverlässig verhindern, dass die Früchte
austrocknen und schrumplig werden.
21. Woche - Mineralwasser und Saft
Es ist schon
erstaunlich, wie sehr die Sprache der Römer unsere Sprache beeinflusst hat. Auch das Wort
Mineralwasser hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache. Im lateinischen Wörterbuch
findet man man das Wort "minera". Es steht für Erzgang, Erzader. Mineralwasser
ist demnach Wasser, das durch einen Erzgang fließt, bzw. (beziehungsweise) geflossen ist.
Aus diesem Grund ist eigentlich alles Wasser, das in meiner Taunus-Heimat aus den
Tiefen der Erde gepumpt wird Mineralwasser.
Zum besseren
Verständnis rufen wir uns noch einmal das Bild vom Kreislauf des Wassers in Erinnerung.
Wir wissen, dass über dem Land und vor allem über den großen Ozeanen ungeheure
Wassermengen von der Sonnenwärme verdunstet werden. Der feine Wasserdunst steigt auf,
bildet Wolken, die dann vom Wind über das Land getrieben werden, wo sie sich schließlich
ausregnen. Ein Teil der zahllosen Wassertröpfchen fließt direkt über Bäche, Flüsse
und Ströme ins Meer zurück, wo für sie der Kreislauf des Wassers neu beginnt.
Andere Tröpfchen
sickern in den Boden ein. Dabei nehmen sie kleinste Bestandteile des Bodens und des
Gesteins auf, durch das sie sickern. Nicht ohne Grund wirbt einer der
bekanntesten Mineralwasserhersteller Deutschlands mit dem Slogan (Spruch): Gutes Wasser
muss durch einen tiefen Stein! Auf dem Weg durch den "tiefen Stein" wird
aus einfachem Regenwasser Mineralwasser. Die Reise der Tröpfchen in die Tiefen der Erde
ist nicht unbegrenzt. Stoßen die Tröpfchen tief in der Erde auf eine
wasserundurchlässige Schicht, bilden sich dort Grundwasserseen. Deren überlaufendes
Wasser strömt in Wasseradern durch den Untergrund. Hie und da gelingt es einer
Wasserader, den Weg ans Tageslicht zu finden. Eine Quelle entsteht. Ist das Wasser der
Quelle dann noch reich an Mineralien, so sprechen wir von einer Mineralquelle, einer
Heilquelle.
Über die
Beobachtung der Tiere sind die Menschen schon früh auf die Wirkung von Mineralwasser
aufmerksam geworden. Tiere spüren sehr genau, was ihnen fehlt. So suchen sie ganz gezielt
Plätze auf, an denen Wasser und Nahrung die Mineralstoffe enthalten, die ihr Körper
besonders benötigt. Über ihre Herdentiere haben die Menschen die Heilwirkung
bestimmter Quellen entdeckt. Schnell sprach sich die heilende Wirkung einzelner Quellen
herum. Schon bald entstanden rund um diese Mineralquellen kleine Siedlungen.
An einer der bekanntesten Heilquellen, dem Kochbrunnen, errichteten die Römer schon
vor über 2000 Jahren ein Heilbad: Wiesbaden.
Weil immer mehr
Menschen mineralhaltiges Wasser trinken wollten, bohrt man heute die Grundwasserseen in
der Nähe der Mineralquellen an. Über lange Rohre pumpt man das mineralhaltige Wasser an die Erdoberfläche und
füllt es in Flaschen ab. In sorgfältigen chemischen Analysen (Untersuchungen auf
die Bestandteile) ermitteln Chemiker den Mineralgehalt des Wassers. In
der Folge ist es sogar möglich, dem Wasser einzelne Stoffe zu entziehen und andere
enthaltene Mineralien anzureichern. Je nach Wunsch und Verträglichkeit, können wir uns
heute mit stillem oder mit sprudelndem Mineralwasser erfrischen.
Zum Thema Saft:
Zu meiner
Kinderzeit konnte man Säfte nur gelegentlich für teures Geld in Apotheken kaufen. Saft
wurde zu dieser Zeit fast ausschließlich zu Hause hergestellt. Dazu wurden die Früchte
zerkleinert und in fusselarme Tücher gepackt. In kleinen Fruchtpressen wurde dann
der Saft bis auf den letzten Tropfen aus dem Fruchtfleisch gepresst. Besonders gut
schmeckte der frische Saft. Weil der aber nur kurze Zeit haltbar war, erhitzte und
entkeimte meine Großmutter den frischen Saft und füllte ihn dann in Flaschen ab, die zu
dieser Zeit noch mit einem Gummistopfen verschlossen wurden.
Nach diesem Prinzip
wird der Saft auch noch heute gewonnen. Auch in Fabriken. In unserer Gemeinde gibt es
einen bekannten Hersteller von Apfelsaft. Jedes Jahr im Herbst werden hier
viele Tonnen Äpfel angeliefert. Für die Gewinnung von Apfelsaft werden die Äpfel
gründlich gewaschen und dann zerkleinert. Aus der zerkleinerten Fruchtmasse wird dann der
Apfelsaft gepresst. Der frische Most ist nicht lange haltbar. Er gärt schon nach wenigen
Tagen. Deshalb muss er durch Erhitzen sterilisiert (entkeimt) werden.
Weil nicht jeder
Fruchtsafthersteller aller Saftsorten selbst herstellen kann, arbeiten die Hersteller
zusammen. Der eine stellt den Apfelsaft her, der andere den Traubensaft. Zur einfacheren
Verarbeitung wird dazu der Saft oder Saftextrakte* in großen Tankwagen ausgetauscht. Nur
so ist es möglich, dass ein Safthersteller viele verschiedene Obstsäfte unter eigener
Marke mit eigenem Etikett anbieten kann.
Extrakt = Auszug.
Zur Herstellung von Extrakten wird ein großer Teil des enthaltenen Wassers
verdampft. Das erspart Transportkosten. Beim Abfüllbetrieb wird dann wieder Wasser
zugesetzt. Logisch, dass dazu nur bestes Trinkwasser verwendet werden darf.
22. Woche -
Schokolade, Marzipan und Kaugummi
Ohne die
Beharrlichkeit von Christoph Kolumbus hätten die Menschen noch lange auf Kakao und
Schokolade verzichten müssen. Der Kakaobaum ist eine südamerikanische Pflanze. Schon die
Azteken schätzten und kultivierten (anbauen, veredeln ) diesen Baum. Die Azteken
verwendeten die Kakaobohnen als Nahrungsmittel und auch als Zahlungsmittel.
Die
melonenähnlichen Früchte des Kakaobaums enthalten 30 bis 60 bitter schmeckende Samen,
die Kakaobohnen. Die Kakaobohnen werden getrocknet, geröstet, geschält und dann
zerrieben. Das gemahlene Kakaopulver wird mit Zucker und Gewürzen zu Schokolade
geschmolzen. Die flüssige Schokoladenmasse kann dann in alle möglichen Formen gefüllt
werden: In rechteckige oder quadratische Schokoladentafeln, in Schokoladenhasen oder
Schokoladen-Nikoläuse.
Marzipan hat seinen
Ursprung in Arabien. Dort wurde diese Köstlichkeit aus geriebenen Mandeln, Puderzucker
und Rosenwasser entdeckt. Marzipan kann man leicht selbst herstellen. Dazu muss man
Mandeln abziehen (häuten), fein mahlen, mit Puderzucker und Rosenwasser mischen und
im Topf auf dem Herd so lange rühren, bis sich die Marzipanmasse vom Boden löst. Dann
kann man sie zu allen nur denkbaren Figuren formen. Wer will, kann den Maikäfer aus
Marzipan noch mit geschmolzener Schokolade überziehen.
Wenn wir uns eine
Lakritzstange schmecken lassen, denken wir nicht daran, dass Lakritze auch ein
geschätztes Heilmittel ist. Lakritze wird aus dem eingedickten Saft von Süßholz
gewonnen. Wahrscheinlich ist dabei auch das geflügelte Wort "Süßholz
raspeln" erfunden worden. Der Süßholzsaft wird auch als Heilmittel gegen Husten und
Bronchitis und gegen Magen- und Darmgeschwüre eingesetzt. Mit diesem Wissen habt ihr gute
Argumente, wenn euch jemand Lakritze verbieten will.
Kaumgummikauen
macht klug. Die Kaubewegung beim Kauguimmikauen regt die Gehirntätigkeit an. Das haben
Wissenschaftler bei Untersuchungen herausgefunden. Daran haben die Entdecker des Kaugummis
wohl kaum gedacht, als sie aus lauter Langeweile auf dem eingedickten Milchsaft des
Chicle-Baumes herumkauten. Wegen seiner Herkunft heißt Kaugumi gelegentlich auch
noch Chicle-Gum. Den faden Geschmack des Chicle-Gums bessern wir heute mit Pfefferminzöl,
Vanillin und anderen Gewürzen auf.
23. Woche - Beim
Förster im Wald
Fragt man Kinder,
was sie sich unter einem Förster vorstellen, entsteht das Bild des Försters, wie wir ihn
von alten Bildern und Zeichnungen kennen. Förster tragen grüne Uniformen, breitkrempige
Hüte mit Tierhaaren, hohe Stiefel und auf dem Rücken ein Gewehr. Meist haben sie einen
langen Bart und rauchen Pfeife. Zusammen mit seinem Dackel streift der Förster durch den
Wald, beobachtet und schießt auch dann und wann einmal ein Tier.
Die verbreiteten
Vorstellungen stimmen mit dem Berufsbild des Försters nicht mehr überein. Förster kommt
von dem Wort Forst. Forst ist ein bewirtschafteter Wald, also kein Urwald. Im Forst
pflanzen und ernten die Menschen Holz. Holz zum Bauen, Holz zum Heizen und Holz als
Grundstoff für Chemie und die Papierherstellung. Chef aller Förster ist der Minister
für Landwirtschaft und Forsten. Er legt fest, was Förster können müssen und was sie zu
tun haben.
Weil der Minister
diese Aufgaben nicht alle selbst erledigen kann, beauftragt er damit den
Landesforstdirektor. Aber auch der kann nicht überall sein. Deshalb gibt ist überall
dort, wo es Wald gibt Forstämter. Das Forstamt ist die Dienststelle der Förster. Die
Chefs der einzelnen Forstämter weisen jedem Förster ein Revier zu. Das Revier eines
Försters umfasst etwa 1000 Hektar ( 1 ha = 100m x 100m) Wald. Das sind etwa 10
Quadratkilometer. Für diese Waldfläche ist der Förster zuständig und verantwortlich.
An dieser Stelle
muss ich mich korrigieren. Auch bei den Förstern hat die Gleichberechtigung Einzug
gehalten. Viele Forstdienststellen werden heute von Försterinnen betreut. Die Aufgaben
von Förster und Försterin sind aber gleich. Sie sorgen dafür, dass Bäume und Wald
wachsen können, sie suchen und markieren die Bäume, die reif für den Einschlag sind und
sie sorgen dafür, dass mindestens so viel Wald nachgepflanzt wird, wie eingeschlagen
wird.
Das war noch vor
200 Jahren ganz anders. Damals betrieben die Menschen Raubbau am Wald. Sie rodeten
ganze Wälder, um Brennholz und Holz für die Gewinnung von Holzkohle zu gewinnen.
Weil immer mehr Wald den Sägen und Äxten der Menschen zum Opfer fiel, erließen die
damaligen Landesherren strenge Gesetze zum Schutz und Wiederaufbau der Wälder. Um die
Einhaltung der Forstgesetze zu sichern, stellten sie Förster ein. Förster haben aus
dieser Zeit auch die Aufgabe einer Waldpolizei.
Begleiten wir doch
einmal einen Förster hinaus in den Wald. Anstelle (Man kann auch schreiben:
An Stelle ) von Fernglas und Gewehr hängt der Förster heute seinen Laptop um. Im Wald
angekommen gibt er dort die Baumarten seines Reviers, die Anzahl und die Größe der
Bäume ein. Mit Farbspray markiert er die Bäume, die gefällt werden sollen. Dann sucht
der die Forstarbeiter (Forstwirte) auf, und spricht mit ihnen ab, wann die Bäume gefällt
werden.
Der Förster muss
aber auch dafür sorgen, dass dort, wo Bäume gefällt werden, keine Lücken entstehen.
Deshalb bestellt er zum Frühjahr oder Herbst in der Forstbaumschule Setzlinge, mit denen
die Kulturen aufgeforstet werden. Noch besser und preiswerter is es jedoch, die
Natur als Helfer bei der Aufforstung einzuspannen. Deshalb sorgen die Förster heute
dafür, dass genügend Samen tragende Bäume erhalten bleiben. Deren Samen ermöglichen
die natürliche Verjüngung der Wälder.
24. Woche - Tiere des Waldes
Bei der
natürlichen Verjüngung des Waldes gerät der Förster immer wieder in Konflikt mit
einigen Tierarten, die im Wald leben. Insbesondere Hirsche und Rehe machen vielfach die
Arbeit des Försters zunichte. Sie äsen - in der Jägersprache heißt fressen äsen
- bevorzugt die Spitzen junger aufwachsender Bäumchen. Dort, wo viel Wild im Wald steht,
sehen die jungen und Eichen aus wie kleine Bonsai-Bäumchen. (Bonsai-Bäumchen sind
durch Schnitt künstlich klein gehaltene Bäumchen. Die Japaner sind Meister im
"Kleinhalten" von Bäumchen.)
Zum Schutz der
kleinen Bäumchen greifen Förster und Jäger zum Gewehr. Mit Pulver und Blei reduzieren
sie den Wildbestand im Wald. Sie schießen dann so viele Hirsche und Rehe, bis Wild und
Wald wieder im Gleichgewicht stehen. Das Gleichgewicht von Wild und Wald ist dann
erreicht, wenn ausreichend junge Bäume nachwachsen können, ohne durch Wildverbiss
geschädigt zu werden.
Niemand muss nun
fürchten, dass die Wildtiere ausgerottet werden. Ihr Bestand wird nur verringert, wird
den Bedürfnissen des Waldes angepasst. Es werden nur so viele Tiere geschossen, wie
jährlich nachgeboren werden. Im Urwald regelt das die Natur. In unserer Kulturlandschaft
geben wir den natürlichen Feinden des Wildes keinen Lebensraum. Deshalb übernehmen
Förster und Jäger deren Aufgabe und passen die Wildbestände dem jeweiligen Lebensraum
an.
Neben Hirschen und
Rehen leben im Wald auch Wildschweine, Hasen, Füchse und Dachse. Abgesehen vom Rehwild
leben die anderen Wildarten sehr heimlich. Man bekommt sie nur zufällig zu Gesicht. An
Spuren und Fährten kann man aber ablesen, wer sich so alles im Wald herumtreibt.
Insbesondere die scheuen Schwarzkittel hinterlassen überall im Wald ihre Zeichen. Der
Förster freut sich über ihre Anwesenheit.
Mit ihren
kräftigen Rüsseln graben die Wildschweine nach schädlichen Insektenlarven und bereiten
dabei gleichzeitig das Saatbett für Eicheln und Bucheckern. Von Bauern sind die
Schwarzkittel nicht gern gesehen, richten sie doch im Feld immense Schäden an. Gerät
eine Rotte Wildschweine in einen Mais- oder Weizenacker, lassen sie oft nur noch Halme und
Stängel zurück.
Förster und Jäger
unterscheiden Wild in Hochwild und Niederwild, in Haarwild und Federwild. Schalenwild
hinterlässt Fährten. Hase, Fuchs, Dachs, Wiesel, Marder´und andere Pfotentiere hinterlassen Spuren. Wild darf
nicht einfach gejagt werden. Im Jagdgesetz ist geregelt, welche Tiere gejagt werden
dürfen und zu welcher Jahreszeit sie gejagt werden dürfen. Die Zeit, in der Tiere nicht
gejagt werden dürfen, heißt Schonzeit. Das Jagdgesetz bestimmt auch, dass die Tiere des
Waldes nur von besonders ausgebildetenPersonen - das sind Förster und Jäger - gejagt
werden dürfen. Wer ohne Ausbildung und Lizenz (Lizenz = Erlaubnisschein =
Jagdschein) jagt, wird als Wilderer angesehen und bestraft.
25. Woche - Tiere
am Wasser, auf dem Wasser, im Wasser
Wasser wirkt auf
Tiere wie ein Magnet auf Eisen. Am deutlichsten zeigt sich das in Afrika. Dort versammeln
sich in der Trockenzeit die Tiere der ganzen Gegend um die einzige verbliebene
Wasserstelle. Das ist hier bei uns in Deutschland anders. Tiere gehen nur selten zum Bach
oder zum Fluss, um dort zu trinken. Meist reicht ihnen die Flüssigkeit, die sie beim
Äsen aufnehmen. Deshalb finden wir an Bächen, Flüssen, an Seen, Teichen und Tümpeln
nur die Tiere, die hier ihren Wohnort haben.
Doch schauen wir
einfach einmal näher hin. Mein Heimatdorf ist nach einem kleinen Flüsschen benannt. Die
Weil fließt vom Feldberg im Taunus nach Norden zur Lahn hin. Ihre Ufer sind von Erlen und
Weiden und allerlei Kräutern gesäumt. Seit der Einrichtung von Kläranlagen ist die Weil
ein sauberes Flüsschen. So sauber, dass in einem groß angelegten Projekt an mehreren
Stellen der Weil junge Lachse ausgesetzt wurden.
Forellen gab es
hier schon immer, auch die verschiedenen Weißfische. Karpfen bevorzugen stehende oder
langsam fließende tiefere Gewässer mit schlammigem Grund. Sie kommen nur im Unterlauf
der Weil vor, dort, wo sie in die Lahn mündet. Fröschen und Kröten begegnet man
auf Schritt und Tritt. Ihr Leben ist jedoch gefährlich. Übrall lauern Feinde. Im
Wasser stellen ihnen Forellen und Lachse nach, am Ufer werden sie Beute von Ringelnatter
und Fuchs.
Frösche dürfen
keinen einzigen Moment unaufmerksam sein. Die kleinste Unaufmerksamkeit kann
sie ihr Leben kosten. Auf hohen staksigen Beinen lauert der Reiher im Niedrigwasser.
Schon bei der kleinsten Bewegung sticht sein spitzer Schnabel ins Wasser und packt den
vorwitzigen Frosch. Hat der Reiher seine Beute erst einmal gepackt, gibt es nur selten ein
Entrinnen.
Da ist das Leben
für die Enten schon viel angenehmer. Sie haben kaum Feinde. Die Farbe ihres Gefieders
macht sie fast unsichtbar. An die Menschen haben sich die Enten vielfach gewöhnt.
Nur wenn man ihnen allzu dicht auf die Pelle rückt, schlagen sie mit den Flügeln und
brausen davon. Wer ein wenig Geduld hat, kann beobachten, wie sie nur wenige Minuten
später wieder auf der Weil einfallen.
26. Woche - Große
und kleine Haustiere
Haustiere sind die
Tiere, die im Gegensatz zu den Tieren im Stall und den Tieren in Wald und Feld das
Vorrecht genießen, mit ihren Frauchen und Herrchen zusammen im Haus leben zu dürfen.
Dank dieser Vorrangstellung müssen sich Haustiere keine Gedanken um ihr Futter und kaum
Gedanken um ihre Sicherheit machen. Auch für die Gesundheit der Haustiere ist bestens
gesorgt. Wenn sie einmal erkranken, sorgt der Tierarzt dafür, dass sie bald wieder gesund
werden. Für das alles sorgen ihre zweibeinigen Mitbewohner.
Dennoch
ist Haustier nicht gleich Haustier. Nur wenige Haustiere sind echte Haustiere. Echte
Haustiere sind Tiere, die freiwillig und ohne eingesperrt und angebunden zu sein mit den
Menschen leben. Hielte man einen Hamster nicht im Käfig, würde er bei nächsbester
Gelegenheit verschwinden. Das gilt auch für die Vögel, die wir im Haus haltenEigentlich
haben sich nur die Hunde für ein Leben zusammen mit den Menschen entschieden.
Hunde sind
Rudeltiere. Das haben sie von den Wölfen geerbt. Wölfe leben in Familienrudeln, in denen
jedes Mitglied eine klare Aufgabe und eine klare Position hat. Dank dieses Erbes fügten
sich gefangene Jungwölfe in der Steinzeit in den Familienverbund der Steinzeithorden ein.
Wichtig war dabei, dass die Prägung auf den Menschen so früh wie möglich nach der
Geburt erfolgte. Diese alte Weisheit befolgen die Hundezüchter noch heute. Sie geben ihre
jungen Hunde noch vor der Prägungsphase an die neuen Besitzer ab.
Der bekannte
Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat die Richtigkeit dieser Erkenntnis auch bei anderen
Tieren nachgewiesen. Gänse, die im Brutkasten ausgebrütet wurden, sehen die Lebewesen
als Eltern an, die sie auf den ersten Schritten ins Leben begleiten. Theoretisch könnte
man Gänse sogar auf Roboter prägen. Seine Gänsekinder begleiteten Lorenz auf all seinen
Wegen. Vor wenigen Monaten kam ein Film ins Kino, in dem junge Gänse dem Leichtflugzeug
ihre menschlichen Pflegeeltern auf dem Flug nach Süden in die Überwinterungsgebiete
folgten.
Trotz aller
Anhänglichkeiten hat noch kein anderes Tier den Anpassungsgrad der Hunde erreicht. Nur
Hunde setzen alles daran, stets in der Gesellschaft ihres Rudels zu leben. Alle anderen
Tiere, das gilt auch für die Katzen, leben allenfalls in lockerer Bindung mit den
Menschen. Wenn Schweine nicht solche Schweine wären, hätten sie durchaus das Zeug zu
guten Haustieren. Schweine sind kluge Tiere und leben in Rotten mit festen
Familienstrukturen.
Neben den
traditionellen Haustieren werden heute in Deutschland Tiere aus aller Welt als Haustiere
gehalten. Aber fragt euch doch einmal selbst: Ist es nicht Tierquälerei, ein kleines
Nilkrokodil in einer Badewanne zu halten. eine Schlange im Terrarium, einen Fisch im
kleinen Aquarium ? Da lobe ich mir schon die Bewohner im hessischen Schlangenbad. Seit der
Römerzeit leben dort die Äskulap*-Schlangen als Haustiere. Allerdings nicht gefangen im
Haus, sondern frei um das Haus herum.
* Äskulap war der
Gott der Heilkünste. Aus diesem Grund führen Ärzte und Apotheker noch heute die
Äskulapschlange als Standeszeichen. |